Moderne Kamerahaltung I: Kameraliebe

Im Gegensatz zu meiner verehrten Kollegin Pe Pa habe ich keine Angst vor Abmahnungen oder ähnlichem. Also Angst schon, weil es einen ja immer treffen kann, aber auch keine Angst, weil, weswegen. Abmahnen kann ja jeder jeden aus jedem begründeten und unbegründeten Grund. Das vorweg.

Man kann die Sache ja auch von der anderen Seite aufdröseln. Zumindest die Haltung von Fotoapparaten in Funk, Fernsehen und Internet hätte demnach nix mit Jendajendajenda zu tun.

Frauen-Foto bei Aldi

Frauen-Foto bei Aldi. Aufnahme aus dem Screen von http://www.alditalk.de/nord/ am 15.1.2014.

Je nun. Das Bild ergibt nur einen Sinn, wenn man sich statt des schwarzen Kastens, der an den Fingern klebt, den Kopf eines Kerls vorstellt. Wie zärtlich und schmeichlerisch, wie verzückt und mit dem Ausdruck der Koketterie die Dame da doch im Gegenlicht grient. Sie beschützt den Betrachter sogar vor einer Blendung durch die Sonne. Soviel Fürsorge! *kraulkraul*

Das gemeinte Foto

Das gemeinte Foto

Gute Werbung, jetzt echt. Genickbruch droht. Angesprochen werden entsprechend taktende Mämmer (äh, Männer), die, klopfklopfklick, das Fensterchen öffnen, um endlich den ersehnten Umsatz mit ihren vollkommenen Fotos zu machen auf die es echt nicht ankommt.

Ich gehe jede Wette ein, dieses Werbebildchen hat keine Frau gemacht und keine Frau fotografiert. Es ist ja nicht einmal sicher, ob eine Frau abgebildet ist.

Und in der Tat: Es es ein Stockfoto (Fokus auf Mund).

Hier noch eine weitere Variante, die der seinerzeit sehr große Fotochemie-Produzent „tetenal“ auf seiner Startseite präsentiert (wird rotierend mit anderen absurden Fotos dargestellt). Wer früher seine Filme noch selbst entwickelte oder Bilder abzog, kennt die Firma aus dem FF. Müssen die aber heute auf Stockbilder zurückgreifen, die wirklich nicht einmal die allerbesten sind? So als fotoaffiner Laden?

tetenal website

tetenal website

Und das ist der Unterschied ums Ganze. Die Frau sieht die Frau, der Mann sieht die den Fotoapparat, also eben sich selbst.

Huflaikhan

Martin Hufner ist Musikjournalist und -kritiker.

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