Der Kameragurt: Professionelle Geschmacklosigkeiten

Da kaufen sich die Leute Kameras im Wert von Monatsbruttolöhnen mit fantastischen technischen Daten, mit tollen Objektiven und dann, dann hängen sie sich das Zeug um den Hals.

Leider fällt dabei eine Firma als ganz besonders hässlich aus dem Rahmen. Nil**. Nik** macht hervorragende Kameras, aber hässlichste Kameragurte, dünnes Zeug mit grell-gelber Schrift, die nicht nur nicht nicht anzeigt, welche Firma hier am Werk ist, sondern vor allem welches Modell seine Arbeit verrichtet. (Im Bild unten.)

Dass die Modellbezeichnung ungleich größer gestickt ist, belegt ironischerweise, dass einem die Marke weniger bedeutet als die Type.

Pentaxens Eleganz vs. Nikons ästhetischer Griff ins Klo.

Pentaxens Eleganz vs. Nikons ästhetischer Griff ins Klo.

Na klar. Wenn sich die Kameras auf die Entfernung schon kaum unterscheiden lassen, so doch die Gurte. Denn entscheidend ist ja nicht, was drin steckt, sondern was drauf steht. Vollformat steht hier jedenfalls für Volldoof. Es ist nichts anderes als ein Gurt- statt ein Schwanzvergleich. Can** machts ja nicht besser, aber doch weniger auffällig.

Besser ging ja schon

Wenn man sich dagegen einmal den Gurt von Olymp** anschaut, welch ein Understatement und der von Pent** gleicht einer Designstudie. Nik** mal gekippt, dann mit Outline und schließlich eine Mitwisser-Zahlenkombination in gleich noch einer anderen Schrifttype, die dann die Zahlen auch noch symmetrisch durchbricht mit Lücken.

Pentax vs. Olympus vs. Nikon

Pentax vs. Olympus vs. Nikon

Gleiches gilt für die Nähte, die bei Nik** extra betont werden, wo sich der gewiss in anderer Form auch aufdringliche Gurt der Pent** K-01 sachlich zurückhält. Geradezu spielerisch die Durchreihung „PENTAXPENTAXPENTAXPENTAX“, so dass es zu einem literarischen Ereignis wird, betont die Spationierung – jeder Buchstabe beansprucht die gleiche Weite und Höhe.

Der heikle Übergang

Sachlich auch die Nähte beim Übergang vom Kamera-Band zum Halsgurt, einer überaus heiklen Passage.

Drei klar gegliederte Trapeze bei Pent**. Bei Nik** wollen plumpe Dreiecke in Pfeilform auf das wahnsinnig gute Produkt hinweisen tun. Aber da haben sie sich geschnitten. Das Fondmuster nimmt die Pfeil-Idee ja auf, was für ein restästhetisches Wissen spricht, aber es torpediert den Gedanken im gleichen Moment, weil der Pfeilfond ja unter der Schrift hindruchläuft und auf der anderen Seite kontradiktorisch ausläuft. Typischer Fall von Nicht-zuende-gedacht-peinlich-nicht-wahr?

Weicher durch Rundungen und die schlichte X-Naht die Olymp**.  Wenn man sich die Verarbeitung außen und innen anschaut, kommt man auch nicht an der Pent** vorbei.

Pentax K-5 Gurt (vorne und hinten)

Pentax K-5 Gurt (vorne und hinten)

Weiches Leder, geschmeidig und mit körperlicher Substanz, wo bei Nik** so ein Billigzeug vernäht wird, was wohl aus den Abfällen ihren Ausschussware hergestellt wird. Wunderschön bei Pent** auch das eingenähte Fähnchen. Ebenso der Markenname, der so massiv eingestickt ist, dass man ihn fühlen kann und fühlen will. So geht man als Fotograf auf Tuchfühlung nämlich!

Gleichwohl. Selbstgemacht ist am besten.

Eigener Gurt ist gut

Eigener Gurt ist am besten!

Die Schielpiraten-Tipps

1. Lassen Sie sich nicht zum Büttel ihrer bevorzugten Fotofirma machen. Und wenn, verlangen Sie dafür mindestens Qualität und unbedingt ein Honorar.

2. Werfen Sie den Standardgurt einfach weg oder tauschen Sie ihn aus. Meine Frau hatte an ihrer Nik** immer einen Can**-Gurt. Das verwirrt die Gemüter der „Kenner“.

3. Boykottieren Sie die Logoitis. Nähen Sie sich was drüber, machen Sie aus Can** Canön, aus Nik** Nikön. Oder besorgen Sie sich eben gleich einen guten Fotoapparat wie von Pent** oder Olymp** oder Hasselbl** oder Phase O** oder so etwas.

Die andere Nokin.

Die andere Nokin.

4. Machen Sie sich selbst einen Kamera-Gurt oder erwerben Sie einen im Schielpiraten-Shop.

5. Kaufen Sie nie eine Kamera nach ihren technischen Daten oder ihrem Namen: Sie wollen gute Fotos machen, dazu dürfen Sie selbst nicht schlecht aussehen, vor allem in dem Gebiet hinter den Augen.

Huflaikhan

Martin Hufner ist Musikjournalist und -kritiker.

12 Antworten

  1. bommel sagt:

    Außer einem Probl** des Auto** mit der Mark* Nik** scheint der Artik** ja nicht viel Substanziell** zu bieten. Und das schreibt einer, der eine Can** hat.

    • Huflaikhan sagt:

      Das Problem, guter Bommel, ist eher, dass diese Firmen in dieser Hinsicht nicht viel Substantielles zu bieten haben und damit bei Leuten wie dir problemlos durchdringen. Es gehört zur gelungenen Gehirnwäsche, dass Menschen wie Du Produkt und Marke verwechseln. Das mache ich dir durchaus nicht zum Vorwurf, woher sollst du das gelernt haben. Geschmack und Stilsicherheit kann man eben nicht im Fotoladen um die Ecke kaufen. Und nun husch zurück in den Sandkasten ;)

  2. Dietmar sagt:

    Nett – aber was ist der Sinn von Pent** Nik*** etc.?

  3. Wolfgang sagt:

    Mal was ganz anderes – lieber mal ein Kameragurt-Review als ein Fotobericht. Top-Arbeit!

    • Huflaikhan sagt:

      Danke. Dabei hätte ich noch gerne mehr Gurte ins Visier genommen, aber irgendwie muss man dazu völlig sinnlos Kohle rüberschieben.

      • Wolfgang sagt:

        Hah, bei den Preisen, die für einen hochwertige Gurt aus Elchleder aufgerufen werden… ist wahrscheinlich die Kamera das kleinste Übel. Eigentlich gar kein so schlechtes Geschäftsmodell – Verschenke die Lampen -> verkaufe das Öl zu Verschenke die Kamera, verkaufe den Gurt…

  4. Selten einen sinnloseren Artikel zum Thema Fotografie gelesen. sagt:

    Ähm ich hatte noch nie ein Problem mit einem N**** oder C**** (hehe) Gurt.
    Und mir ist auch noch nie jemand begegnet, der ein Problem damit gehabt hätte.
    Aber falls der Gurt deiner absolut subjektiven Wahrnehmung entsprechend eben nicht so ästhetisch ist, dann kauf dir halt für ein paar Mark einen anderen. Der Gurt ist wirklich absolut nebensächliches Beiwerk.

    Übrigens würde der abgebildete selbstgemachte Kameragurt keinesfalls meinen optischen Ansprüchen genügen ;)

    • Huflaikhan sagt:

      Dann bin ich eben der Erste, den Du (Herr/Frau Selten einen sinnloseren Artikel zum Thema Fotografie gelesen) kennen lernst. Zum Rest muss ich sagen, nun, das Markenversprechen funktioniert. Wenn Menschen es als Nebensächlichkeit empfinden, dass sie als Werbeträger etc. herumlaufen, funktioniert die Maschine ja gut. So funktioniert das Geschäft. Alle freuen sich.

      Die Fotoheinis eben. Ab durch den Sucher und schon ist die Welt schön bunt. …

  5. Pe Pa sagt:

    Was meinst Du Huflaikhan, sollen wir er/sie/es „Selten…“ darüber aufklären, dass es sich hier um eine…nunja, wie soll ich sagen…. nicht ganz ernst gemeinte Seite handelt? (Das Wort Satire möchte ich lieber gar nicht verwenden, das kennt ja nicht jeder, nicht wahr?)

    Oder wollen wir es lieber lassen und allen den Spaß gönnen, sich an solchen Kommentaren zu erfreuen?

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