Ein Stein aus Herz

Das stimmt eigentlich nicht. Das Herz liegt offen erst durch eine Einsteinung. Durch Abkratzen von Putz. Unter dem Putz kommt zum Vorschein, was man nicht sieht.

Ein Herz aus Stein. Foto: Hufner

Ein Herz aus Stein. Foto: Hufner

Wie lange noch?

O Krieg, wie lange willst du noch
Des Tages wüster König sein?
Die Sonne ward vor dir längst klein,
Der Himmel niedrig, der einst hoch.

O Krieg, nährt dich doch nicht genug
Das reiche arme Menschenblut,
Der Männer eisigblinder Mut,
Der Toten ungezählter Zug?

O Krieg, wie lange lauschst du schon
Dem Schrei der Wunden, die du schlägst?
Die Stirn ist schlaflos, die du trägst,
Und nur aus Trümmern ragt dein Tun.

Krieg, deiner Krone roter Schein
Bringt vielen ein unsterblich Glück!
Auf Helden siehst du starr zurück,
Und Namen hallt dein Herz aus Stein.

O Krieg, dein wahnhaft Heldentum
Läßt wenig Lebenslicht entstehn,
Die Völker blutleer untergehn,
Die sich berauscht an deinem Ruhm.

Dauthendey: Des großen Krieges Not. Kriegsgedichte und Lieder der Trennung. Deutsche Lyrik von Luther bis Rilke, S. 19645 (vgl. Dauthendey-GW 4, S. 477-478).

 

Huflaikhan

Martin Hufner ist Musikjournalist und -kritiker.

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