Penn – Vogue – Hommage

Aschenbecher von C/O Berlin. Foto: Hufner

Ausstellung von Irving Penn in Berlin besucht. Ein bisschen enttäuscht. Wo Fotografie so sehr am Detail und an der Bearbeitung hängt, wo es sich dem Medium so sehr anpassen muss und will, wird auch das kleinste technische Missgeschick problematisch. Da ist ein gewisser Manierismus die Folge. Konstruktion und Freiheit stehen sich schnell im Weg.

Der frühe Penn schießt nach noch den besten Vogel ab.

Hier daher eine kleine Hommage an Penn.

Aschenbecher von C/O Berlin. Foto: Hufner
Aschenbecher vor C/O Berlin. Foto: Hufner

 

Kindergartenpop, Section Krabbelgruppe

Konzerte in denen ich inständig hoffte, sie mögen bitte etwas schneller vorbei sein, die gab es in der Vergangenheit schon. Sehr lebhaft in Erinnerung ist mir da eine Grundschulaufführung, in der „alle neuen Blockflötenkinder“ (Anmerkung: Es waren etwa 30 solche!) ein Stück performten.

Aber von vorn:
In der letzten Wochen bekamen der Huflaikhan und icke die Einladung, über eine Konzertveranstaltung zu berichten. Der Huf sollte schreiben (was er mittlerweile auch getan hat), ich fotografieren.
Wir freuen uns über solche Einladungen wirklich immer sehr, auch und gerade, wenn es sich um uns bisher nicht geläufige Genres handelt.

Gestern früh bekamen wir dann die Nachricht, dass leider keine Fotoerlaubnis erteilt worden sei. Nun gut, das kann ja Vieles bedeuten, im Programm war jedenfalls zu lesen, dass „visuell Überraschendes“ geboten werde, vielleicht wollte man dies später nicht auf schlechten Fotos in der Presse verwurstet sehen?

Wir fuhren also durchaus positiv gestimmt und neugierig auf das, was uns da Neues erwarten würde in Richtung Haus der Berliner Festspiele.

Dort strömte es bereits.
Nein, nicht Wasser vom Himmel, sondern junge bis sehr junge Menschen, vornehmlich weibliche, meist sehr zerbrechlich wirkende, vom Typus, den meine Kinder grinsend als „Hipster“ bezeichnen würden.
Männliche Menschen gab es auch, der größte Teil davon auch recht weiblich, der kleinere eindeutig Begleitung.

Einlass war erst kurz vorm avisierten Beginn der Veranstaltung, der Saal, in dem bereits Kunstnebel waberte, füllte sich schnell, mich ergriff erstmals eine Art beklemmende Fremdheit, die ich so von anderen, durchaus gut besuchten Veranstaltungen am gleiche Ort nicht kenne. Vor uns offenbar die Angehörigen der Künstlerin, auf ihre Plätze dirigiert von einer sehr wichtig und kosmopolitisch wirkenden Dame mit ins Haar gesteckter Lesebrille.

Dann war es endlich so weit. Der Saal verdunkelte sich, noch mehr Nebel waberte, die Akteurin vorn seitlich am Keyboard (es war ja angekündigt worden, sie bediene Klavier und Gesang), von hinten angestrahlt. Die ersten einfachen Akkorde und noch welche und noch welche, Klavierschule erster Band, dazu wummernder Technobeat, einfachster Gesang mit künstlichem Kinderstimmchen.
Das war sicher nur die Einleitung, dachte ich gespannt, gleich würde es mit virtuosem Klavierspiel und Gesang weitergehen, schließlich war die Künstlerin mit Björk verglichen worden.

Es ging weiter. Genau so simpel wie anfangs. Die jungen Mädchen (und auch wenn ich das Wort „Mädchen“ für Frauen jenseits der Geschlechtsreife ansonsten nicht anwende, hier trifft es leider zu. Bei kühleren Temperaturen hätten wir mit Sicherheit viele bis über an die Fingerspitzen gezogene Pulloverärmel gesehen) sangen mit, was in diesem Fall ja auch nicht weiter schwierig war.

Dann Nebel und noch mehr Nebel, im Nebel, ganz hinten ein Chor. Der stand da schon die ganze Zeit und wurde von einem Mann hinter einem großen Reflektor dirigiert (solche Dinger standen schon beim Vorentscheid für dieses europäische Songdingens auf der Bühne, scheinen gerade schwer in Mode zu sein). Das sollte man wohl eigentlich nicht sehen, man sah auch nur einige Male heftig wedelnde Arme hinter dem großen, silbernen Ding hervorblitzen.

Der Chor erfüllte alle Schul- und Kirchenchorklischees. Von der Frauenlastigkeit über die ersthaft, steife Haltung bis hin zur typischen Chorkleidung. Alle in schwarz, einige sogar in langen schwarzen Röcken! Ssso schön und teils intonationsmäßig SO dicht daneben, ganz der Künstlerin angepasst!

Die Künstlerin, gewandet in ein schwarzes Hängerchen, das ab Mitte Oberschenkel ein durchsichtiges Hängerchen war, knüllte derweil dieses Kleidungsstück wiederholt in etwa Bauchhöhe zusammen, so wie man es bei Kleinkindmädchen beobachten kann, wenn sie von den Erwachsenen zu einer szuper szüßen Äußerung gedrängt wurden, die Erwachsenen nun alle lachen und dem Kleinkindmädchen, das nicht weiß warum sie das tun, nichts anderes übrig bleibt, als eben diese Übersprungshandlung. Oftmals begleitet von hospitalistisch anmutendem über einen Großzeh zentriertem Hin-und-her-drehen.

Derweil im Publikum großer Jubel nach jeder der Nummern, von denen man nicht mehr als: Eine wie die andere, originalverkorkst, sagen konnte.
Saßen die euphorisch klatschenden Massen in einem anderen Konzert als wir? Waren die Eintrittskarten mit psychedelisch wirkenden Substanzen imprägniert und nur wir Dummies hatten nicht mitgekommen, dass man diese vor Beginn des Konzerts ablecken musste?

Die Zeit schien stehen zu bleiben – jedenfalls nicht sonderlich schnell vorüber zu gehen, auch der wiederholte Blick auf die Uhr nutze da leider gar nichts. Eine Stunde und zehn Minuten können aber auch echt lang sein.

Dann aber ein Höhepunkt? Nein, nur das endgültige Abgleiten in Krabbelgruppenperformance: Das Publikum sollte singen, nachdem „wartet, ich singe Euch vor“, getrennt nach Geschlechtern. Die Jungs haben dann auch „schön“ gesungen: „tip tapping“ im Dustern. OH MANN!

Am Ende war es dann doch noch nicht ganz zu Ende, standing Ovations und frenetischer Applaus veranlassten die Künstlerin zu zwei Zugaben…
…die wir aber auch noch tapfer durchstanden (was blieb uns auch anderes übrig?)

Fassen wir zusammen:

Grundschulkonzerte (inklusive begeistert mitwippender Mutti) werden heutzutage von ins Kleinkindalter regredierten MitzwanzigerInnen auf großen Bühnen und mit viel Nebel und Wummwumm inszeniert.

Man kann die Massen und die Mutti (immer noch!) mit monotonen Marschrhythmen, simplen Melodien und noch simpleren Texten zum Schunkeln bringen.

Lena Müller-Landshut hat Konkurrenz bekommen. Aus der Krabbelgruppe.

Fazit:

Wer die Künstlerin des gestrigen Abends mit Björk vergleicht, für den ist auch alles wo „ganz hoch gesungen“ wird Oper.

…..

P.S.: Wie gesagt, es durfte nicht fotografiert werden.
Der Huflaikhan hat ja in seinem Beitrag in der nmz online ein extra für Euch alle gezeichnetes Bild eingestellt, das im Übrigen in wunderbarer Symbolkraft die ganze Veranstaltung darstellt: Eine Kinderzeichnung in Schwarz.

Um Euch die Stimmung der Veranstaltung nicht vorzuenthalten, habe ich auch ein Foto gemacht. Die Künstlerin mit ihren MitkünstlerInnen durfte man ja nicht fotografieren und da habe ich mich auch dran gehalten.
Deshalb hier: Voilà, la Zimmerdecke:

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Schön, wa?

Karl-Heinz G. – Fortsetzung Homestory

Nachdem Karl-Heinz G. aus K. leider relativ erfolglos eine eigene Wohnung gesucht hatte, beschloss er, sich zunächst nach einer geeigneten Erwerbstätigkeit umzusehen.

Da Karl-Heinz G. neben seiner Profession als Gartenzwerg der Hobbygärtnerei zugetan ist, versuchte er – vollkommen nachvollziehbar – sein Glück in Aufzucht und Pflege der nicht unbedingt hiesigen Fauna zu finden.
Um bessere Ergebnisse zu erzielen, bediente er sich hierbei Techniken, von denen wir eigentlich lieber nicht Genaueres wissen wollen. Er hat uns gen-aue Details auch verschwiegen.

karl-heinz (1 von 1)-2 „Karl-Heinz G. – Fortsetzung Homestory“ weiterlesen

Retusche-Prävention, besser vorbeugen als heilen

Defete Sensoren

Jede kennt das. Da hat man am Tag im Beruf geschuftet, kommt nach Hause und muss den Abwasch machen und das Klo putzen, in der Nacht halten einen die kranken Kinder, die demente Oma oder die nachtaktiven Haustiere wach.
Augenringe bis zu den Knien sind da manchmal unvermeidbar.

Nun wissen wir, dass es Bildbearbeitungsprogramme gibt, mit denen man solche Schönheitsfehler wegretuschieren kann, die Werbung macht es uns Tag für Tag vor, indem sie Plastikmenschinnen mit extrem langen und dünnen Beinen, einem makellosen Teint und wallendem Haupthaar präsentiert.

Es hat aber nicht jeder, der eine Kamera hat, auch ein entsprechend teures Bildbearbeitungsprogramm. Oder wenn er es hat, dann kann er damit vielleicht nicht umgehen.
Und da wir ja ein Serviceblog sind, möchte ich Euch heute mal einige einfache und kostengünstige Möglichkeiten der Retusche ohne Bildbearbeitungsprogramm vorstellen.
Und so wird’s gemacht:

Eine verblüffend simple Methode der Beauty-Retusche, ist der Perspektivwechsel. „Retusche-Prävention, besser vorbeugen als heilen“ weiterlesen

Newman für Arme – Regensburg-Hallergasse

Das Newman-Haus Detail

Beim schlendernden Zwischen-Heimweg vom Jazzweekend um die Ecke des Leeren Beutels geschaut. Da gibt es ein Haus, welches offenbar komplett entkernt worden ist. Die Fassage mit ihren teilweise neo-gotischen Bögen steht noch da. Die Gegend um die Ostengasse ist mittlerweile ein komisches Pflaster. Geschäfte öffnen und schließen in lockerer Weise. Regensburg schönste bewohnbare Ruinen scheint es auch hier zu geben (Gegend Heilig-Geist-Gasse). So könnte Regensburg tatsächlich einmal ausgesehen haben.

Gegenüber des entkernten Hauses ein anderes etwas heruntergekommenes (Hallergasse). Das Fassadengrau plus die Metalltüre in pastellisierten Farben.

Das Newman-Haus
Das Newman-Haus

Gut, dass niemand weiß, dass ich farbenblind bin. Ich würde jetzt einfach Blau und Orange/Oker vermuten. Das ganze in einer harten Struktur. Ein Tetrachord mit Unterbrechungen durch Schilder und Grafitti, mit Abblättererscheinungen im oberen Teil, wohl auch herrührend von anderen Aufklebern. Dazu unten dann vermutlich Spuren von Fusstritten – anzeigend, dass die Türfügel nicht ganz so einfach zu schließen vermögen.

Ein Detail aus dem linken Türflügel zeigt die Nähe zur modernen bildenden Kunst der Gegenwart deutlich an.

Das Newman-Haus Detail
Das Newman-Haus Detail

Der feine Farbauftrag mit kleinsten Differenzierungen in der Fläche. Der präzise Schnitt in der Mitte, sowie der schwarze Klecks rechts im Orange/Okernen.

Newman Histogramm
Newman Histogramm

Die Präzision der Gestaltung, trotz der problematischen Digitalaufnahme, wird am Histogramm deutlich, welches drei Hauptfarben zu bezeichnen weiß.

Ganz frappierend schön wird es, wenn man den rechten Türflügel im Detail sieht und um 90 Grad kippt.

Newmanhaus quer
Newmanhaus quer

So wird eine Bildsprache daraus, die an Eindringlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Ein Bild, das die Grenzen zwischen Verderben und Tod durchschreitet.

Man kann zwar nicht von einem Meisterwerk der Kunst am Bau sprechen. Doch diese Sprache des nicht Grellen und doch Auffallenden hat ihren speziellen Reiz. Ich würde mich schon dafür aussprechen, zumindest die Parkverbotsschilder zu entfernen. Die verzerren den Gesamtklang dieses Tetrachords erheblich. Hingegen sind die gewöhnlichen Abnutzungsspuren originär Bestandteil des sich wandelnden und lebenden Kunstwerks.

[Übernahme aus der Kritischen Masse 2004]

Gursky für Arme

Gursky für Arme
Gursky für Arme. Foto: Hufner
Gursky für Arme. Foto: Hufner

Der Fotograf Andreas Gursky ist kaum zu übertreffen. Das ist Kunst und gut!

Wenn man nicht ganz so wichtig ist im Leben wie so ein Meister, dann hat man auch andere Motive, die etwas flacher sind und näher an der Wirklichkeit, die häufig genug ja weniger Wirklichkeit ist, als die der künstlerischen Annäherung. Gursky verzerrt zur Wirklichkeit (99 Cent). Hier verzerrt die Wirklichkeit nur die Kunst. Lidl-Abverkauf im alten Obi-Garten-Gebäude in Stahnsdorf.

Würde man die Fotografien direkt nebeneinanderstellen, würde man bemerken, dass das eine ein Schnappschuss ist, das andere aber schwer bearbeitet und ausgeklügelt. Mal abgesehen von der Größe. Aber beides ist Supermarkt.

Man kann sich aber schon fragen, ob Gursky mit seiner Serie in der Serie nicht eine rein dingneutrale Sichtweise favorisiert, die eben ein bisschen wie ein fotografischer Malkasten rüberkommt, ein bisschen wie ein Testbild wirkt. Kunst als unschönes Scheinen.

Die Konstruktion ersetzt die pure Wiedergabe, die, wie man aus der philosophischen Ästhetik weiß, sowieso nie einfach nur eine Wiedergabe ist, sondern das Bild eines Bildes. Somit einerseits defizitär und andererseits überschießend.