Kindergartenpop, Section Krabbelgruppe

Konzerte in denen ich inständig hoffte, sie mögen bitte etwas schneller vorbei sein, die gab es in der Vergangenheit schon. Sehr lebhaft in Erinnerung ist mir da eine Grundschulaufführung, in der „alle neuen Blockflötenkinder“ (Anmerkung: Es waren etwa 30 solche!) ein Stück performten.

Aber von vorn:
In der letzten Wochen bekamen der Huflaikhan und icke die Einladung, über eine Konzertveranstaltung zu berichten. Der Huf sollte schreiben (was er mittlerweile auch getan hat), ich fotografieren.
Wir freuen uns über solche Einladungen wirklich immer sehr, auch und gerade, wenn es sich um uns bisher nicht geläufige Genres handelt.

Gestern früh bekamen wir dann die Nachricht, dass leider keine Fotoerlaubnis erteilt worden sei. Nun gut, das kann ja Vieles bedeuten, im Programm war jedenfalls zu lesen, dass „visuell Überraschendes“ geboten werde, vielleicht wollte man dies später nicht auf schlechten Fotos in der Presse verwurstet sehen?

Wir fuhren also durchaus positiv gestimmt und neugierig auf das, was uns da Neues erwarten würde in Richtung Haus der Berliner Festspiele.

Dort strömte es bereits.
Nein, nicht Wasser vom Himmel, sondern junge bis sehr junge Menschen, vornehmlich weibliche, meist sehr zerbrechlich wirkende, vom Typus, den meine Kinder grinsend als „Hipster“ bezeichnen würden.
Männliche Menschen gab es auch, der größte Teil davon auch recht weiblich, der kleinere eindeutig Begleitung.

Einlass war erst kurz vorm avisierten Beginn der Veranstaltung, der Saal, in dem bereits Kunstnebel waberte, füllte sich schnell, mich ergriff erstmals eine Art beklemmende Fremdheit, die ich so von anderen, durchaus gut besuchten Veranstaltungen am gleiche Ort nicht kenne. Vor uns offenbar die Angehörigen der Künstlerin, auf ihre Plätze dirigiert von einer sehr wichtig und kosmopolitisch wirkenden Dame mit ins Haar gesteckter Lesebrille.

Dann war es endlich so weit. Der Saal verdunkelte sich, noch mehr Nebel waberte, die Akteurin vorn seitlich am Keyboard (es war ja angekündigt worden, sie bediene Klavier und Gesang), von hinten angestrahlt. Die ersten einfachen Akkorde und noch welche und noch welche, Klavierschule erster Band, dazu wummernder Technobeat, einfachster Gesang mit künstlichem Kinderstimmchen.
Das war sicher nur die Einleitung, dachte ich gespannt, gleich würde es mit virtuosem Klavierspiel und Gesang weitergehen, schließlich war die Künstlerin mit Björk verglichen worden.

Es ging weiter. Genau so simpel wie anfangs. Die jungen Mädchen (und auch wenn ich das Wort „Mädchen“ für Frauen jenseits der Geschlechtsreife ansonsten nicht anwende, hier trifft es leider zu. Bei kühleren Temperaturen hätten wir mit Sicherheit viele bis über an die Fingerspitzen gezogene Pulloverärmel gesehen) sangen mit, was in diesem Fall ja auch nicht weiter schwierig war.

Dann Nebel und noch mehr Nebel, im Nebel, ganz hinten ein Chor. Der stand da schon die ganze Zeit und wurde von einem Mann hinter einem großen Reflektor dirigiert (solche Dinger standen schon beim Vorentscheid für dieses europäische Songdingens auf der Bühne, scheinen gerade schwer in Mode zu sein). Das sollte man wohl eigentlich nicht sehen, man sah auch nur einige Male heftig wedelnde Arme hinter dem großen, silbernen Ding hervorblitzen.

Der Chor erfüllte alle Schul- und Kirchenchorklischees. Von der Frauenlastigkeit über die ersthaft, steife Haltung bis hin zur typischen Chorkleidung. Alle in schwarz, einige sogar in langen schwarzen Röcken! Ssso schön und teils intonationsmäßig SO dicht daneben, ganz der Künstlerin angepasst!

Die Künstlerin, gewandet in ein schwarzes Hängerchen, das ab Mitte Oberschenkel ein durchsichtiges Hängerchen war, knüllte derweil dieses Kleidungsstück wiederholt in etwa Bauchhöhe zusammen, so wie man es bei Kleinkindmädchen beobachten kann, wenn sie von den Erwachsenen zu einer szuper szüßen Äußerung gedrängt wurden, die Erwachsenen nun alle lachen und dem Kleinkindmädchen, das nicht weiß warum sie das tun, nichts anderes übrig bleibt, als eben diese Übersprungshandlung. Oftmals begleitet von hospitalistisch anmutendem über einen Großzeh zentriertem Hin-und-her-drehen.

Derweil im Publikum großer Jubel nach jeder der Nummern, von denen man nicht mehr als: Eine wie die andere, originalverkorkst, sagen konnte.
Saßen die euphorisch klatschenden Massen in einem anderen Konzert als wir? Waren die Eintrittskarten mit psychedelisch wirkenden Substanzen imprägniert und nur wir Dummies hatten nicht mitgekommen, dass man diese vor Beginn des Konzerts ablecken musste?

Die Zeit schien stehen zu bleiben – jedenfalls nicht sonderlich schnell vorüber zu gehen, auch der wiederholte Blick auf die Uhr nutze da leider gar nichts. Eine Stunde und zehn Minuten können aber auch echt lang sein.

Dann aber ein Höhepunkt? Nein, nur das endgültige Abgleiten in Krabbelgruppenperformance: Das Publikum sollte singen, nachdem „wartet, ich singe Euch vor“, getrennt nach Geschlechtern. Die Jungs haben dann auch „schön“ gesungen: „tip tapping“ im Dustern. OH MANN!

Am Ende war es dann doch noch nicht ganz zu Ende, standing Ovations und frenetischer Applaus veranlassten die Künstlerin zu zwei Zugaben…
…die wir aber auch noch tapfer durchstanden (was blieb uns auch anderes übrig?)

Fassen wir zusammen:

Grundschulkonzerte (inklusive begeistert mitwippender Mutti) werden heutzutage von ins Kleinkindalter regredierten MitzwanzigerInnen auf großen Bühnen und mit viel Nebel und Wummwumm inszeniert.

Man kann die Massen und die Mutti (immer noch!) mit monotonen Marschrhythmen, simplen Melodien und noch simpleren Texten zum Schunkeln bringen.

Lena Müller-Landshut hat Konkurrenz bekommen. Aus der Krabbelgruppe.

Fazit:

Wer die Künstlerin des gestrigen Abends mit Björk vergleicht, für den ist auch alles wo „ganz hoch gesungen“ wird Oper.

…..

P.S.: Wie gesagt, es durfte nicht fotografiert werden.
Der Huflaikhan hat ja in seinem Beitrag in der nmz online ein extra für Euch alle gezeichnetes Bild eingestellt, das im Übrigen in wunderbarer Symbolkraft die ganze Veranstaltung darstellt: Eine Kinderzeichnung in Schwarz.

Um Euch die Stimmung der Veranstaltung nicht vorzuenthalten, habe ich auch ein Foto gemacht. Die Künstlerin mit ihren MitkünstlerInnen durfte man ja nicht fotografieren und da habe ich mich auch dran gehalten.
Deshalb hier: Voilà, la Zimmerdecke:

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Schön, wa?

Neues von Agathe und Karl-Heinz

Wie wir seit geraumer Zeit wissen, erwarten Agathe von Höhn und Karl-Heinz G. Nachwuchs. Nachdem Karl-Heinz schon seit einigen Tagen unermüdlich brütete,

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hat er kürzlich seine Bemühungen um den Wärmehaushalt des Eis kurz unterbrochen…

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…um einen erfahrenen Hebammerich zu Rate zu ziehen, wann denn nun endlich die Schlüpfung bevorstünde.

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Der Hebammerich wollte sich auch nach gründlicher Untersuchung des Eies nicht festlegen, wagte aber die Prognose, dass es nicht mehr allzu lange dauern würde. Oder auch nicht. Bis dahin empfahl er forciertes Zuwarten sowie weiteres sorfältiges Bebrüten.

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Heute morgen dann regte sich etwas Ungewöhnliches…

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… so dass Agathe darauf bestand, den Hebammerich, trotz sonntäglicher Ruhe, erneut zu konsultieren.

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Diese bestätigte auch sofort, ohne Umschweife und unter Aufbringung seines gesamten Fachwissens, dass sich da wohl etwas Ungewöhnliches rege.
Wenig später dann…

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Der geschulte Hebammerich attestierte einen Apgar von 10 (wobei „rosig“…nun ja…) und führte unverzüglich die U1 durch.

Das Kind und seine stolze Eltern sind wohlauf!

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Allerdings kamen Agathe und Karl-Heinz beim Verkünden der frohen Botschaft in der Nachbarschaft gerade gewisse Zweifel, ob sie wohl wirklich die Eltern dieses kleinen entzückenden Wesens sind, oder ob ihnen das doch recht außergewöhnliche Ei mit dem noch außergewöhnlicheren Inhalt vielleicht doch von jemanden quasi untergeschoben wurde?

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Oder hatte Karl-Heinz G. es mit seinen, vermutlich gentechnischen, Veränderungen am Ende ein wenig übertrieben?

(Fortsetzung folgt. Wahrscheinlich.)

How to make a Diva

Im HuPe-Kollektiv haben wir ausführlich über ein Diven– und ein Superheldinnen-Shooting berichtet.

Wie man ein solches Shooting planen sollte und was dabei im Vorfeld zu beachten ist, wollen wir Euch nicht vorenthalten.

Zunächst braucht man ganz viel technisches Equipment: Zahllose Objektive, diverse Kameras, Stative, Blitze, Softboxen.
Wenn man sich nicht nahezu in den Bandscheibenvorfall schleppt, muss man eigentlich erst gar nicht anfangen.

Als zweites braucht man eine Diva, resp. eine Superheldin, die schon von sich aus auf ein adäquates Styling bestehen wird:

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Ebenfalls ganz wichtig, ist hervorragend passende Divenkleidung,

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die auch genügend Bewegungsfreiheit zulassen sollte…

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… und keinesfalls einengen darf:

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Neben einem kühlen Getränk…

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…kleinen Beschäftigungen für eventuell entstehende Pausen…

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ist selbstverständlich eine schnelle und zuverlässige Assistenz unabdingbar:

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…die sich ggf. auch diskret zurückzieht…

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Werden all diese Regeln befolgt, sollte es im Schnitt klappen, mit dem Diven-/Superheldinnen-Shooting.

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Retusche-Prävention, besser vorbeugen als heilen

Defete Sensoren

Jede kennt das. Da hat man am Tag im Beruf geschuftet, kommt nach Hause und muss den Abwasch machen und das Klo putzen, in der Nacht halten einen die kranken Kinder, die demente Oma oder die nachtaktiven Haustiere wach.
Augenringe bis zu den Knien sind da manchmal unvermeidbar.

Nun wissen wir, dass es Bildbearbeitungsprogramme gibt, mit denen man solche Schönheitsfehler wegretuschieren kann, die Werbung macht es uns Tag für Tag vor, indem sie Plastikmenschinnen mit extrem langen und dünnen Beinen, einem makellosen Teint und wallendem Haupthaar präsentiert.

Es hat aber nicht jeder, der eine Kamera hat, auch ein entsprechend teures Bildbearbeitungsprogramm. Oder wenn er es hat, dann kann er damit vielleicht nicht umgehen.
Und da wir ja ein Serviceblog sind, möchte ich Euch heute mal einige einfache und kostengünstige Möglichkeiten der Retusche ohne Bildbearbeitungsprogramm vorstellen.
Und so wird’s gemacht:

Eine verblüffend simple Methode der Beauty-Retusche, ist der Perspektivwechsel. „Retusche-Prävention, besser vorbeugen als heilen“ weiterlesen

Newman für Arme – Regensburg-Hallergasse

Das Newman-Haus Detail

Beim schlendernden Zwischen-Heimweg vom Jazzweekend um die Ecke des Leeren Beutels geschaut. Da gibt es ein Haus, welches offenbar komplett entkernt worden ist. Die Fassage mit ihren teilweise neo-gotischen Bögen steht noch da. Die Gegend um die Ostengasse ist mittlerweile ein komisches Pflaster. Geschäfte öffnen und schließen in lockerer Weise. Regensburg schönste bewohnbare Ruinen scheint es auch hier zu geben (Gegend Heilig-Geist-Gasse). So könnte Regensburg tatsächlich einmal ausgesehen haben.

Gegenüber des entkernten Hauses ein anderes etwas heruntergekommenes (Hallergasse). Das Fassadengrau plus die Metalltüre in pastellisierten Farben.

Das Newman-Haus
Das Newman-Haus

Gut, dass niemand weiß, dass ich farbenblind bin. Ich würde jetzt einfach Blau und Orange/Oker vermuten. Das ganze in einer harten Struktur. Ein Tetrachord mit Unterbrechungen durch Schilder und Grafitti, mit Abblättererscheinungen im oberen Teil, wohl auch herrührend von anderen Aufklebern. Dazu unten dann vermutlich Spuren von Fusstritten – anzeigend, dass die Türfügel nicht ganz so einfach zu schließen vermögen.

Ein Detail aus dem linken Türflügel zeigt die Nähe zur modernen bildenden Kunst der Gegenwart deutlich an.

Das Newman-Haus Detail
Das Newman-Haus Detail

Der feine Farbauftrag mit kleinsten Differenzierungen in der Fläche. Der präzise Schnitt in der Mitte, sowie der schwarze Klecks rechts im Orange/Okernen.

Newman Histogramm
Newman Histogramm

Die Präzision der Gestaltung, trotz der problematischen Digitalaufnahme, wird am Histogramm deutlich, welches drei Hauptfarben zu bezeichnen weiß.

Ganz frappierend schön wird es, wenn man den rechten Türflügel im Detail sieht und um 90 Grad kippt.

Newmanhaus quer
Newmanhaus quer

So wird eine Bildsprache daraus, die an Eindringlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Ein Bild, das die Grenzen zwischen Verderben und Tod durchschreitet.

Man kann zwar nicht von einem Meisterwerk der Kunst am Bau sprechen. Doch diese Sprache des nicht Grellen und doch Auffallenden hat ihren speziellen Reiz. Ich würde mich schon dafür aussprechen, zumindest die Parkverbotsschilder zu entfernen. Die verzerren den Gesamtklang dieses Tetrachords erheblich. Hingegen sind die gewöhnlichen Abnutzungsspuren originär Bestandteil des sich wandelnden und lebenden Kunstwerks.

[Übernahme aus der Kritischen Masse 2004]

Bokeh, die Zweite

viereckiges Bokeh hinter alter Frau

Bokeh! Romantisch-modisch, trendy und in aller Munde und Augen. Bokeh! Vor einiger Zeit habe ich mich schon an anderer Stelle darüber echauffiert.

Aber schauen wir uns diesen Trend doch einmal genauer an.
Was ist das, Bokeh? Geht es hier in erster Linie nicht um Rundungen. Große und kleine, immer aber unscharfe Kullerkekse im Hintergrund des Bildes? Wird nicht an manchen Stellen gar die Güte eines Objektivs an der Rundheit des Bokehs gemessen, das zu produzieren es imstande ist?

Was für ein ausgemachter Blödsinn, denn, hat nicht schon der berühmte Hut Ecken? Mindestens drei?
Und spricht nicht das wahrste aller Orakel, der sogenannte Volksmund unablässig davon, dass das Runde ins Eckige muss?

Wahre Kunst kann nicht immer nur im Kreis laufen, sie muss auch über den Tellerrand, ja um die Ecke schauen können.

Innovative Individualisten erkunden daher neuerdings andere Wege; wer wirklich mit der Zeit gehen will – und die schreitet bekanntlich unaufhaltsam voran – packt keine Blubberblasen mehr hinter das weichgezeichnete Portrait elegischer Jungmädchen. Nein! Er experimentiert mit einer andere aesthetischen Form, dem eckigen Bokeh.

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(Der erste, der hier was von "alter Frau vor Badezimmerwand" sagt, fliegt raus.)

Gursky für Arme

Gursky für Arme
Gursky für Arme. Foto: Hufner
Gursky für Arme. Foto: Hufner

Der Fotograf Andreas Gursky ist kaum zu übertreffen. Das ist Kunst und gut!

Wenn man nicht ganz so wichtig ist im Leben wie so ein Meister, dann hat man auch andere Motive, die etwas flacher sind und näher an der Wirklichkeit, die häufig genug ja weniger Wirklichkeit ist, als die der künstlerischen Annäherung. Gursky verzerrt zur Wirklichkeit (99 Cent). Hier verzerrt die Wirklichkeit nur die Kunst. Lidl-Abverkauf im alten Obi-Garten-Gebäude in Stahnsdorf.

Würde man die Fotografien direkt nebeneinanderstellen, würde man bemerken, dass das eine ein Schnappschuss ist, das andere aber schwer bearbeitet und ausgeklügelt. Mal abgesehen von der Größe. Aber beides ist Supermarkt.

Man kann sich aber schon fragen, ob Gursky mit seiner Serie in der Serie nicht eine rein dingneutrale Sichtweise favorisiert, die eben ein bisschen wie ein fotografischer Malkasten rüberkommt, ein bisschen wie ein Testbild wirkt. Kunst als unschönes Scheinen.

Die Konstruktion ersetzt die pure Wiedergabe, die, wie man aus der philosophischen Ästhetik weiß, sowieso nie einfach nur eine Wiedergabe ist, sondern das Bild eines Bildes. Somit einerseits defizitär und andererseits überschießend.