Streetphotographie – Rechtliche Fragen

Die eigene Hose. Foto: Hufner
Die eigene Hose. Foto: Hufner
Die eigene Hose. Foto: Hufner

Eines der größten Probleme der Straßenfotografie ist die rechtliche Seite. Wenn da Dinge auf den Fotos gezeigt werden, die menschlich sind. Man darf zwar fotografieren wie man will, aber veröffentlichen geht dann eher nicht so leicht, es sei denn man hat die Erlaubnis.

Heute, statt auf der Straße, im Wald. Forrest-Photographie. Da lag auch so ein menschliches Ding. Wenn man es dreht, wäre es sogar vermittels der Hosentaschenschlitze, mit menschlichem Antlitz versehen.

Unter bestimmten Vorraussetzungen ist man ja auch bei Menschen mit Verpixeln nicht auf der sicheren Seite. Es geht ja, wie in der Zeitschrift ProfiFoto stand, vor allem darum, dass man Rückschlüsse ziehen kann auf eine konkrete Person.

Wäre das hier nicht ggf. auch der Fall?

Mal von der menschlichen Tragödie abgesehen, die die Frage aufwirft: Gibt es das Recht an der eigenen Hose?

Verpixelte Hose. Nummer sicher. Foto: Hufner
Verpixelte Hose. Nummer sicher. Foto: Hufner

(NB: Phänomen, wenn man weit genug vom kristallisierten Foto weggeht, Vorsicht, nicht an der Klippe probieren, erkennt man den Gegenstand immer besser. Auch so eine fotografische Dialektik).

Die einzig wahre Art der Streetphotography (Straßenfotografie)

Historische Straßenfotografie

Fast jeder heute hat eine Knipse. Das ist schön. Und wahrscheinlich gab es noch nie so viel Fotos wie heute. Am einfachsten ist es, man hält einfach drauf. Wo man steht, wo man geht. Straßenfotografie ist eine tolle Spielwiese. Hier der Link zu ziemlich genialen Bildern, die man in Großbritannien macht bei Flickr.

Straßenszenen eben alles, und Alltagsbilder. Und häufig nicht unproblematisch, weil dort Personen auftauchen, die das vielleicht gar nicht wollen. Aber zur Frage des Urheberrechts später einmal mehr.

Nur: Mit der wahren Art der Straßenphotographie hat das nichts zu tun. Nimmt man das Metier ernst, sieht es eher so aus:

Street-Photo
Street-Photo mit Fehlern

Hier steht die Straße im Zentrum des Bildes. Man erkennt aber auch den noch vorhandenen Fehler! Man sieht Autos, Gebäudeteile, Bäume, einen Bordstein. Störende Elemente mithin. Echte Straßenphotographie macht auch damit endlich Schluss:

Brahmsweg
Brahmsweg

Endlich einmal ein Bild einer Straße!

?

Pustekuchen. Wir reden nicht von Weg-Photography!

Rudolf-Breitscheid-Straße
Rudolf-Breitscheid-Straße

Am Ziel! Endlich am Kern der Sache angekommen. Das Foto einer Straße, endlich ohne störende Nebensächlichkeiten. Wie schön, wie ausdrucksvoll, wie klar in der Aussage, wie präzise, wie objektiv. Endlich auch nicht mehr so eine Geheimniskrämerei wie: Was will uns das Foto sagen, was will uns der Fotograf sagen.

Bernd und Hilla Becher war im Prinzip schon auf dem richtigen Weg mit ihrer objetiven Fotografie. Aber sie haben es am Ende doch mit der Art der Präsentation wieder aufgehoben und mit der Umsetzung für den Kanon der Kunst unnötig mit Bedeutung aufgeladen.

Ich sah einige ihrer Fotos unlängst beim Besuch eines Notars – so bekommt Kunst ihr Geschmäckle. (Nichts gegen den Berufsstand des Notars, aber das hat was Klugbürgerliches, was man irgendwie bemerken soll und den Kunstverstand des Besitzers gleichwohl ohne direkt mit der Nase drauf zu stoßen, exponiert. Sei es drum.)

Man kann natürlich die Straßenphotographie auch dramatisieren.

Historische Straßenfotografie
Historische Straßenfotografie

Unter dem Asphalt, Spuren des originalen Straßenbelags. Die Straße bemächtigt sich hier des Wegs. Eine üble Sache und an sich viel zu redselig so ein Foto.

Ich fordere hiermit alle sogenannten Straßenfotografen auf, ihr Genre ernst zu nehmen und nicht mit plumpem Bildgequatsche die einzig wahre Art der Straßenphotographie zu konterkarieren.

Google Street View ist auf dem richtigen Weg. Aber zu inkonsequent.